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    Gutachter geben der Glasfassade und den rostigen Stahlträgern nur noch begrenzte Überlebensfrist

    Die Schwimmhalle Diesdorf wackelt, Rat drängt einstimmig auf Sanierung

    Von Katja Tessnow

    Mit vier kommunalen Schwimmhallen und dem Spaßbad in privater Regie verfügt Magdeburg über eine passable überdachte Badelandschaft. Um ihren Zustand ist es allerdings unterschiedlich bestellt. Der sanierten Elbehalle steht in Diesdorf akute Sanierungsnot gegenüber. Die Hoffnung auf Abhilfe ist mit der jüngsten Ratssitzung gestiegen. Eine der kleineren, kommunalen Hallen wurde am Rande allerdings offen als Schließkandidat gehandelt: die Schwimmhalle Nord.

    Magdeburg. Die Linke hat mit einem entsprechenden Antrag den unrühmlichen Zustand der Schwimmhalle Diesdorf thematisiert und die Bemühungen zur Sanierung forciert. Bis Oktober möge die Stadtverwaltung ein Beschlusspapier vorlegen. Die Verwaltung bekennt in ihrer Stellungnahme: "Die Schwimmhalle Diesdorf ist stark sanierungsbedürftig. Technische Anlagen sowie Umkleide- und Sanitäranlagen sind veraltet." Über die Jahre hätten keine grundhaften Sanierungen vorgenommen werden können, was "finanziellen Aspekten geschuldet" sei.

    Doch nicht nur veraltete Duschen und Umkleiden sind in Diesdorf das Problem. Schlimmer noch: Die Glasfassade und der tragende Stahlrahmen wackeln. Ein Ingenieurbüro kam zur Erkenntnis: "Die Halle kann mit den bereits vorgenommenen Schutzvorrichtungen an der Glasfassade noch ca. 1 bis 1, 5 Jahre (...) genutzt werden." Selbst bei Sicherung der Glasfassade sei allerdings " nach optimistischer Schätzung in spätestens 5 bis 7 Jahren "mit generellen Standsicherheitsproblemen zu rechnen. Der Grund: fortschreitende Korrosion. Heißt: Spätestens 2009 muss die Glasfassade erneuert werden. Spätestens 2014 steht Generalsanierung an – oder Sperrung.

    Auf Basis dieser Erkenntnisse rannte die Linke mit ihrem Sanierungsantrag offene Türen ein. Kein Rat mochte ablehnen – einstimmiges Ja.

    Allerdings: Nach groben Schätzungen sind 10 bis 12 Millionen Euro nötig, auf dass die Halle glänzt. "Sagen Sie, woher?", eiferte Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) folgerichtig in den Ratssaal und legte nach: "Keine Illusionen verbreiten!"

    Die gerufene Desillusionierung bezog sich in erster Linie auf Änderungsanträge des Finanzausschusses und der CDU. Diese verlangten die Betrachtung aller drei, noch unsanierter Hallen in städtischer Hand samt Prioritätensetzung zur Abarbeitung von Mängeln. Das Ansinnen stieß in der Erkenntnis, dass schon eine Hallensanierung mit Blick auf die engen Spielräume im Stadthaushalt schwer zu schultern ist, auch im Bildungsausschuss auf Vorbehalte. Gunter Schindehütte (CDU): "Wir sollten nichts unternehmen, was die Sanierung der Diesdorfer Halle behindert. Sie ist für den Schul- und Vereinssport unverzichtbar." Der Kultur- und Sportbeigeordnete Rüdiger Koch (SPD) pflichtete dem bei: "Wir haben jedes Jahr rund 100 000 kostenlose Nutzer in der Halle. Das sind in erster Linie Schüler." Koch bestätigte den hoffnungsvollen Einwurf der Linken Regina Frömert: "Wir haben den Antrag zur Sanierung der Halle Diesdorf jetzt gestellt, weil jetzt noch Chancen bestehen, Fördermittel aus Bundesprogrammen für die Sanierung abzugreifen." Koch: "Es gibt ein Programm zur energetischen Sanierung von Sozialbauten. An diesen Topf wollen wir ran kommen."

    Für Diesdorf sieht es also gar nicht schlecht aus. Und für die kleineren Hallen in Olvenstedt und Nord? Der Stadtrat beschloss, dass auch diese "unter die Lupe" genommen werden sollen. Trümper machte allerdings keinen Hehl aus verwaltungsinternen Plänen, die bis zur Schließung einer Halle reichen: "Meine Prioritätensetzung ist klar; erstens Elbe, zweitens Diesdorf, drittens Olvenstedt." "Und Nord?", rief es mehrstimmig aus der Ratsversammlung. Trümper: "Mehr sage ich nicht!"

    Klare Botschaft: Verwaltungsintern wird ein Abschied von der sanierungsbedürftigen Halle Nord erwogen. Die Halle in Neu-Olvenstedt ist in besserem Zustand und von Schönheitsreparaturen abgesehen ungefährdet. Bevor in Nord wirklich "der Stöpsel gezogen" würde, ist Protest programmiert. Ausgang offen. Vorerst richtet die Stadt ihr Augenmerk auf die Rettung der Halle Diesdorf.